Das Motto der re:publica 2017 war „Love Out Loud“. Und irgendwie hat das bei mir und ein paar Kollegen bei fischerAppelt eine ganz bestimmte Frage ausgelöst: Was wäre, wenn man Populismus gar nicht bekämpft – sondern einfach umarmt?

Herausgekommen ist eine zwei Meter große Donald-Trump-Puppe auf einem Sofa. Mitten auf der Konferenz. Der re:publica – eines der weltweit führenden Festivals und Konferenzen für die digitale Gesellschaft, das jährlich in Berlin stattfindet.

Die Idee dahinter war eigentlich simpel: Wer die Puppe umarmt, löst einen Tweet aus. Und die Puppe sagt dabei in Trumps Stimme Dinge, die er so wohl nie sagen würde. „I respect women.“ „I love Mexicans.“ Das Projekt: #HugsNotHate.

Ein paar der netten Sätze die nur unser Donald sagt.

Der Rechtspopulismus nimmt gerade leider gerade auf der ganzen Welt an Fahrt auf. Donald Trump ist einer der bekanntesten Vertreter und gerade immer und überall in den Medien. Ein gutes und markantes Aushängeschild, wenn man sich diesem Thema kritisch nähern will.

Passend zum Motto der re:publica wollten wir uns dem Populismus liebend entgegenstellen. Warum nicht also mit dem polternden US-Amerikaner?

Wir haben uns Skizzen und Karikaturen angefertigt und dann haben wir gesucht – wie kommen wir an eine überlebensgroße Puppe, die wir entsprechend für unsere Aktion preparieren können? Wir haben angefragt bei Messebauern, Dekorateuren, Scheidern und auch Puppenbauern. Aber in der größte konnte das keiner. Oder es war extrem teuer. Einige wollten auch keine Puppe von einer lebenden Person erstellen aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Ich bin sogar in Foren unterwegs gewesen, bei denen ich erst später gemerkt habe, dass es keine gute Idee gewesen war, dort seinen Klarnamen zu hinterlassen.

Am Ende sind wir in Polen fündig geworden. Hier haben wir in kurzer Zeit, für vernünftiges Geld und inkl. einer frei Haus Lieferung nach Hamburg unseren überlebensgroßen Donald bekommen. Ein super Austausch und eine tolle Karikatur zum Anfassen.

Dann ging es los, das wir unseren Donald zum Leben erweckt haben. Im Rücken der Puppe steckt eine kleine Box mit zwei FSR-Sensoren – Force Sensing Resistors. Die liegen entlang des Arms und der Hüfte und registrieren Druck. Drückt jemand dagegen – also umarmt die Puppe – gibt ein Arduino-Board das Signal weiter.

Am anderen Ende nimmt ein Raspberry Pi, der in einer separaten Fotobox daneben sitzt, das Signal entgegen. Der Pi bekommt das Signal über USB, spielt dann einen der vorberechneten Audio-Clips ab und löst gleichzeitig eine kleine Weitwinkelkamera aus. Das fertige Foto einer Person die Trump umarmt landet direkt, ohne weiteren Zwischenschritt, auf Twitter. Mit einem kleinen extra Wasserzeichen „#hugsnothate – Love and Kisses from Berlin“.

Jede Umarmung also ein Tweet. Das hat gut funktioniert – über 1.000 mal. Vertaggt ist jedes mal der echte Donald Trump. Sein Redaktionsteam bekommt also über 1.000 Benachrichtigungen – mit „Love and Kisses from Berlin“.

Wir geben ein kleines Interview für die make und erklären was wir gebaut haben und wie.

Auf der re:publica lösen wir entsprechendes Staunen aus. Man schaut uns nach, wenn wir hier einen riesigen Donald Trump über das Messegelände bewegen. Über Fragen und Zustrom können wir uns nicht beschweren. Jeder hält gerne an und macht Selfies. Der ein oder andere kann seinen Hass gegen unsere Vorlage nicht verbergen. Aber der Großteil hält sich streng an das Motto und begegnet dem Populismus mit Liebe und wird dann von unserem Donald mit freundlichen Sätzen belohnt.

Für zusätzliche Energie hat NDR-Reporter und Performance-Künstler Michel Abdollahi gesorgt, der die Konferenz mit einer Umarmungs-Performance durchquert hat. Besucher, Speaker, Helfer – alle dran.

Das Ergebnis war dann doch etwas größer als gedacht: ZDF heute-journal, Pro7, USA Today, AP, Getty, DPA – und über 30 weitere Artikel in den drei Konferenztagen.

(©Bilder Frederik Schmidtke)

Insgesamt haben wir über 1.000 Tweets generiert. Damit auch über 1.000 Bilder gemacht, die gegen Hass und Hetze mit unserer Puppe von Donalds Trump werden.

In so ziemlich jeder Berichterstattung die wir über die re:publica gefunden haben tauchte auch unser Donald Trump auf. Er ist einfach gerade nicht aus den Medien wegzudenken und omnipräsent. So hilft uns dieser Bekanntheitsgrad auch um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen und die Reichweite mitzunehmen. Es gab viel positive Berichterstattung und lobende Beteiligung. Für uns ein klarer Erfolg der Idee und eine große Generierung von Reichweite.

Vielleicht reisen wir mit Donald noch ein wenig weiter und stellen ihn auf anderen Veranstaltungen und Konferenzen aus. Jetzt bedanken wir uns erst einmal für die Gastfreundschaft in Berlin.

So hört sich unser Donald Trump an:

Und hier gibt es noch ein paar mehr Links zu weiteren Pressestimmen von der re:publica und mit Berichterstattung über unsere Aktion (Stand 12.05.2017):

Presse (Mittwoch 10.Mai 2017)

Presse (Dienstag 09. Mai 2017)

Presse (Montag 08. Mai 2017)

cheers.
Sebastian

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